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8 Dinge, die einem keiner über das Kinderhaben vor dem Kinderkriegen erzählt

Ach ja, jetzt wo ich mich gerade mit meinem Ratgeber beschäftige, muss ich an die  Zeit vor meiner ersten Schwangerschaft denken. Wie romantisch ich mir doch alles vorgestellt habe 🙂 Mit dem kleinen Engel auf dem Arm oder im Kinderwagen durch die Welt spazieren. Und es gibt jede Menge Artikel, die einem erzählen, was sie doch alles vor der Schwangerschaft von einer Schwangerschaft hätten wissen wollen, aber was ist mit nach der Schwangerschaft? Was hätte ich nicht alles über das Kinderhaben wissen müssen? Und warum hat mir keiner gesagt, was sich mit Kind alles ändert?

Ach was habe ich mir alles doch sooo einfach vorgestellt. Ich muss zugeben, ich hatte nie viel Kontakt zu kleinen Kindern, habe mir nicht mit babysitten Geld verdient oder freiwillig auf meinen jüngeren Bruder aufgepasst. Vielleicht war ich deshalb auch so blauäugig. Babys sind ja soooo süß, aber hey, die haben es auch ganz schön in sich. Und natürlich erzählt dir niemand davon. Mütter erzählen sich gerne, wie toll alles ist. Wie glücklich sie als Mütter sind. Es wirkt beinahe zu schön. Die Schattenseiten des Mutterseins sinid und bleiben ein Tabuthema. Warum eigentlich? Jeder andere meckert doch auch über seinen Job? Muttersein ist aber nicht nur ein Job, das macht es aber nicht einfacher. Ich habe mir früher auch nie die Frage gestellt, ob Kinder oder nicht. Die Antwort dafür hat meine Älteste ganz einfach übernommen.

Und es gibt auch ein gutes Argument dafür, nicht alles vorher zu wissen: Wenn es nicht so super schön ist, wie wir uns das vorstellen, schreckt es vielleicht ab. Aber ich denke, wer ein Baby möchte, der wird sich auch von so ein paar Details nicht abschrecken lassen. Immerhin lassen wir uns ja auch nicht von dem Wissen, dass es weh tut, abschrecken. Nein, ich denke, es wäre nicht schlecht gewesen, zu wissen, was auf einen zukommt. Falls ihr das nicht wissen wollt, nicht weiterlesen. Falls ihr vorbereitet sein wollt, legen wir los.

  1. Stillen muss man wollen
  2. Schlafentzug ist nicht wie Nächte durchfeiern
  3. Freunde werden weniger
  4. Man lernt seine dunkelsten Seiten kennen
  5. Karriere?
  6. 24 Stunden Dienst
  7. Wie gleichberechtigt ist die Gleichberechtigung eigentlich?
  8. Keiner macht mit Kindern so weiter wie vorher

 

Stillen muss man wollen

Als ich den Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war für mich sofort klar, ich werde stillen, doch nach der Geburt stellte ich fest, dass Stillen eine Sache ist, die man wirklich wollen muss. Das fing damit an, dass ich nicht sofort den Dreht raus hatte und mein kleiner Wonneproppen richtig Schmacht hatte. Wunde Brustwarzen und ein unangenehmer Schmerz waren die Folgen. Später kam eine Brustentzündung dazu. Ok, dachte ich bei Baby Nr. 2, dieses Mal wird es besser. Trotzdem, obwohl ich alles richtig machte, waren meine Brustwarzen alles andere als glücklich. Ich hielt es trotzdem durch, doch es war für mich nicht ganz so traumhaft, wie ich es erhofft hatte. Die extrem schweren und manchmal auch schmerzhaft gefüllten Brüste waren alles andere als schön. Ständig nasse T-Shirts förderten das Wohlbefinden auch nicht. Erst bei Baby Nr. 3 fand ich ein besseres Verhältnis zum Stillen, doch auch hier war ich nicht traurig, als mein Kind sich mit der Flasche von Papa auch sehr zufrieden gab. Ich beneide alle Frauen, die problemlos gestillt haben und Stillen hat auch einige praktische Seiten (vor allem nachts), aber eben nicht nur. Es ist nicht nur so schön und entspannt, wie auf den Bildern in den ganzen Büchern.

 

Schlafentzug ist nicht wie Nächte durchfeiern

Klingt logisch, doch vor Baby Nr.1 stellte ich mir das ähnlich vor. Was ist schon so schlimm dran, nachts alle paar Stunden wach zu werden, wenn man am nächsten Tag nicht zur Arbeit muss? Ne Menge, das kann ich euch sagen. Denn Hausarbeit und Privatleben finden normalerweise tagsüber statt. Wenn man dann zwei Kinder schon hat, die durchaus viel Aufmerksamkeit brauchen und Baby Nr.3 das ganze erste Jahr nicht an Schlafen denkt, dann weiß man, was Schlafentzug ist. Und das hat absolut nichts mit dem zu tun, was man von Festivals oder durchfeierten Nächten verbindet.

Freunde werden weniger

Daran sind nicht meine Kinder schuld, vielleicht auch nicht meine Freunde oder ich, sondern einfach die ganze Situation. Ich bekam meine Kinder jung (mit 23). Damit wurde ich für die meisten meiner Freunde vollkommen uninteressant. Ich bin nicht mehr auf Parties mitgegangen, längere Ausflüge waren auch nicht mehr drin, es sei denn mit Kind und generell, ich war plötzlich unsichtbar, je sichtbarer mein Kind wurde. Mein Freundeskreis hat sich davon erholt, neu strukturiert, aber trotzdem war das eine einschneidende Erfahrung. Und nein, mit Kind ist man nicht langweilig!

Man lernt seine dunkelsten Seiten kennen

Dieser Moment, wenn das Kind seit Tagen nicht schläft, nur schreit, die älteren Geschwister sich nur streiten und man selber sich Sorgen um die Zukunft, den Job oder sonst was macht. Ich liebe meine Kinder ohne Ende, aber ich kann nicht behaupten, dass ich nicht schon manchmal in so einer Situation durchgedreht bin und alles und jeden angeschrien habe, was in meine Nähe kam. Ich bereue nicht, Mutter zu sein, aber hey, der Gedanke daran, was wäre wenn, der kam oft genug und ich habe mich dafür geschämt. Mich so oft gefragt, was ich für ein Mensch bin und da ist auch schon die Antwort. Ich bin ein Mensch, keine Maschine und keine Romanfigur. Ich bin echt und mit Gefühlen und die sind eben nicht immer gut. Ja, ich habe meine dunkle Seite kennengelernt, aber ich konnte sie dadurch auch kennengelernt und muss sie nicht fürchten. Denn mit Kindern lernt man auch Dinge wie Geduld und stoisches Ausblenden. 🙂

Karriere?

Ach, ich träumte von so viel. Anwältin oder Autorin, das waren meine beiden Idealberufe. Doch es kam anders. Mit Kind zog sich das Studium, die Schwangerschaft half mir nicht, die Zeit, die ich durch einen Autounfall verpasst habe, wieder aufzuholen. Irgendwann kam der Status alleinerziehend dazu und ich brach ab. Doch ich gab nicht auf. Fernstudium, Selbstständigkeit und tolle Job folgten. Doch immer wieder wurde ich ausgebremst. Meine Kinder brauchten mich mehr, als es ein Tag nach 16 Uhr hätte bieten können. Ich reduzierte, ging auf Teilzeit, doch auch das reichte nicht ganz. Das ist ok, aber das war mir vorher nicht ganz klar. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist doch überall in aller Munde? In Realität sieht es dann anders aus. Natürlich kann es funktionieren, aber ein Blick in die Gesellschaft zeigt, dass das noch nicht die Regel ist.

24 Stunden Dienst

Ja klar ist man immer für die Kinder da mögt ihr jetzt denken, aber mir war nicht klar, was das bedeutet. Keine Freizeit mehr, bzw. nur mit einigem Aufwand etwas Zeit für sich alleine? Zeit ohne Kinder nur mit dem Partner fast gar nicht mehr. Das sind Punkte, die man erst verstehen muss. Dinge, die einen traurig machen können und den Gedanken, ob Mutterschaft das Richtige war, aufkommen lassen können. Wer keine Möglichkeit hat, die Kinder außerhalb der Betreuungszeiten einfach mal zu Oma und Opa zu geben, der muss schnell lernen, was der 24 Stunden Dienst heißt, zumindest für die ersten 10 bis 13 Jahre. Danach soll es besser werden 🙂

Wie gleichberechtigt ist die Gleichberechtigung?

Ach ja, die gute Gleichberechtigung. Gleicher Lohn, gleicher Zugang zu Bildung und zum Job. Natürlich auch eine gleichberechtigte Aufteilung von Haushalt und Erziehung. Vieles stellt man sich anders vor, als es schlussendlich dann ist. Es ist verrückt, aber sogar die Frauen, die finanziell unabhängig sind und von sich sagen, sie sind emanzipiert, sogar die fallen häufig in alte Rollenmuster. Sie gehen in Teilzeit, weil der Mann keinen Job hat, wo Teilzeit einfach so möglich ist. Wieso eigentlich nicht? Müsste nicht jeder Job in Teilzeit möglich sein? Auch der Haushalt bleibt meistens an ihnen hängen, selbst dann wenn sie sagen, dass sie ihn sich mit dem Mann teilen. Sie machen das, weil „nur“ die Betreuung und Kindererziehung ja kein richtiger Job sind. Auch dann nicht, wenn sie in Teilzeit Geld dazu verdienen. Der Mann arbeitet ja auch bis 17 Uhr, die Frau nur bis 12. Was viele dann nicht sehen, ist, dass die Frauen dann voll für die Kinder da sind. Sie versorgen, erziehen und betreuen. Ein Job, für den Erzieher Geld bekommen. Warum also müssen sie auch noch einen zweiten Job gleichzeitig komplett alleine machen? Warum noch Hausarbeit alleine stemmen und nicht fair aufteilen? Unser Job als Mama ist genau so viel wert, wie ein bezahlter Job.Es ist ein voller Job! und der Haushalt ist auch ein voller Job. Eine Mutter in Teilzeit ist genauso viel wert, wie ein Mann in Vollzeit. Mich traf diese Erkenntnisse wie ein Schlag, aber seitdem gilt bei uns, die Hälfte vom Haushalt mache ich, die andere Hälfte mein Mann. Ebenso wie Erziehung und Betreuung der Kinder, wenn wir beide Zuhause sind.

Keiner macht mit Kindern so weiter wie vorher

Das klappt in den seltensten Fällen und dann meistens nur für einen der beiden Elternteile. Normalerweise ändert sich das Leben deutlich durch Kinder. Die Freizeit ist eingeschränkt, Urlaub sieht plötzlich anders aus und auch das Geld ist vielleicht nicht mehr ganz so locker. Natürlich wusste ich, dass sich einiges ändert, doch wie viel sich für mich als Mutter ändert, das war mir nicht klar. Auch körperlich. Meinem Körper sieht man drei sehr anstrengende Schwangerschaften an. Ich werde nie wieder so aussehen, wie vor der Schwangerschaft. Der Gedanke tut mir manchmal weh, weil ich damals nicht zu schätzen wusste, wie ich aussah. Ich habe Abschied genommen von dem Körper, von dem Leben vor den Kindern, von vertrauten Ritualen und Gewohnheiten. Das war schmerzhaft, aber es ist nicht so, als würden die Veränderungen nur negative Seiten mitbringen. Niemand kann mich so lächeln lassen, wie meine Kinder, so toben und rumtollen lassen und rumblödeln. Mit drei Kids sich auf das Sofa zu muckeln ist wunderschön.

Mein Fazit: Ja, ich hätte gerne gewusst, was es bedeutet, ein Kind zu haben. Was die Verantwortung bedeutet, aber das hätte mir wohl niemand wirklich sagen können. genauso, wie mir niemand hätte sagen können, dass die Liebe in meinem Herzen für meine Kinder das intensivste Gefühl ist, dass ich je erfahren habe.

Wie ist es bei euch? Habt ihr auch Schattenseiten kennengelernt? Kommt, wir machen hier kein Treffen der anonymen Mamaholics und tuscheln hinter verschlossenen Türen über das echte Mamasein, sondern nennen es wie es ist mit all seinen Seiten. Die guten, wie die schlechten.

 

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